Deutschland genoss lange einen guten Ruf, wenn es um kreative, hochwertige und innovative Produkte ging. Auch die Marke »Made in Germany« stand für höchste Exzellenz. Aber ist das heute immer noch so? Hat die USA Deutschland nicht den Rang als weltweit führende Nation für Innovationen abgelaufen? Oder genauer, das Markenzeichen »Design in California«.

Beim Thema der Unternehmensgründung erwartet man wahrscheinlich, dass die Prozesse des Gründens und Wachsens einer Firma in Deutschland durch die Regierung genauso durchdacht sind, wie Produkte mir der Aufschrift »Made in Germany«. Unglücklicherweise ist dies nicht der Fall.

Bei einem genaueren Blick erkennt man, dass die Bundesregierung irgendwie in den 80er Jahren stecken geblieben ist. Denn wenn man ein Unternehmen gründen will, muss man als Erstes abwägen, in welche Gesellschaftsform man hineingründen sollte. Da gibt es zahlreiche Optionen: Einzelunternehmen, e.K., GbR, OHG, KG, GmbH, UG (haftungsbeschränkt); um nur einige zu nennen.

Mein Weg – Die Gründung

Ich entschied mich damals für eine GbR. Diese zu gründen, ist fairerweise recht simpel. Es kostet nur wenige Euro und geht sehr schnell. In wenigen Minuten ist sie angemeldet. Wie auch immer; dies bedeutete auch, dass ich, bzw. das Gründungsteam, persönlich für jeden Schaden haften mussten. Also für alles, was auch immer während des Arbeitsprozesses schief gehen könnte. Das hat mich aber nicht sehr gekümmert; da ich wusste, dass unsere Produkte solide sind und es sehr unwahrscheinlich ist, dass jemandem ein Schaden entsteht.

Dadurch, dass die Gründungskosten für eine GbR sehr gering sind, macht es diese so interessant für diejenigen, die ein Business starten, und ihre monetären Ressourcen lieber in die Entwicklung ihrer Produkte stecken wollen; man muss aber auch wissen, dass für so eine Gesellschaftsform viel höhere Steuern anfallen. Ich sage nicht, dass ich keine Steuern zahlen will. Ich bin froh erfolgreich genug zu sein, um sie zahlen zu müssen; im Wissen der Stadt und dem Land, in dem ich lebe, beim Wachsen und Entwickeln zu helfen. Aber irgendwie wäre es doch smarter diese Zahlung während der Start-up-Phase, einzubehalten, um das gesparte Kapital stattdessen in das Wachstum des Unternehmens zu investieren. Bis zu einer gewissen Größe, um auch mehr Menschen einzustellen zu können. Und dann etwas später, wenn sich die eigene Firma etwas mehr stabilisiert hat, Steuern zu zahlen.

Wäre dies kein großes Return on Investment für die Regierung?

Um Warren Buffet zu zitieren: »I do not want to donate $100 now, but would prefer to take that $100, invest it and donate $200 or even $300 later. Because, if you would give the $100 to a charity, they could never make as much out of it as Warren Buffet could.« – In der langen Frist, ist es ökonomisch betrachtet also cleverer zu warten, um dann später noch mehr spenden zu können.

Jetzt, wo wir gewachsen sind und tausende Euro Steuern gezahlt haben, war es an der Zeit die Gesellschaftsform zu ändern. Wir firmierten um, zu einer GmbH & Co. KG. Denn diese Gesellschaftsform minimierte unser individuelles finanzielles Risiko, erlaubte uns neue Investoren hinzuzufügen und uns als »Grown-up« Unternehmen agieren zu lassen.

Die Gesellschaftsform des Unternehmens zu ändern ist leider nicht so einfach, wie es sich vielleicht anhören mag.

Als Erstes braucht man für eine GmbH die obligatorischen 25.000€ auf der Bank. Dies dient als eine Art Garantie gegenüber der IHK, den Kunden und Zulieferern, damit im WorstCase genug Geld für einen absehbaren Zeitraum vorhanden ist. Diese sogenannte Stammeinlage dient ebenfalls dazu, die Firma für einen potenziellen Schadensfall abzusichern. Aber für mich ist das ehrlich gesagt nicht der Grund für eine Firmierung zur GmbH. In Deutschland geht es hierbei mehr um das Vertrauen, welches diese Gesellschaftsform in Kunden und Partnern induziert.

Das Problem ist das rechtliche Verfahren. Wir erwarben sehr früh Angel- / Seed-Investoren. Nun mussten wir zusammen mit unseren Rechtsanwälten und Steuerberatern einen Weg finden diese rechtlich in die „neue“ Firma einzubinden. Dieser Prozess dauerte etwa 2-3 Monate; und wir haben verdammt gute Rechtsanwälte und Steuerberater. Es lief alles auf ein Konstrukt hinaus, dass alle Parteien in die neue Gesellschaft integrierte, ohne dass dies, trotz des deutschen Rechts, zu kompliziert wurde.

Sprung in die Gegenwart

Nachdem tausende Euro in Form von Steuern und Gehälter für Rechtsanwälte, Steuerberater und Notare ausgegeben wurden, waren wir nun eine GmbH & Co. KG. Ich bin davon überzeugt, dass es einen einfacheren Weg geben muss, um ein Start-up zu gründen. Andere Länder, wie Großbritannien, ermutigen junge, motivierte Menschen ihr eigenes Unternehmen zu gründen, da diese auf lange Sicht dabei helfen können das Land oder sogar die gesamte Volkswirtschaft zu unterstützen.

Wenn jemand von der Bundesregierung dies lesen sollte, würde ich eine Lösung mit zwei einfachen Gesellschaftsformen für Start-ups vorschlagen.

  1. Für junge Unternehmen: Diese sollten keine Steuern zahlen müssen, um stattdessen genug Geld für die Entwicklung des Unternehmens und mehr Personal zu haben. Gründung sollte nur wenige Minuten dauern und sogar online möglich sein.
  2. Für fortgeschrittene Unternehmen: Diese sollte dann mit reduzierten Steuersätzen beginnen. Die Umstellung vom Typ 1 auf Typ 2 sollte nur eine Sache von Minuten sein. Ab einer gewissen Unternehmensgröße oder -alter würden typische Steuersätze und Unternehmensformen gelten.

Zugegeben, ich sehe die Dinge vielleicht ein wenig dramatisch. Um so mehr würde es mich freuen, auch andere Meinungen zur Gründung eines Unternehmens in Deutschland oder in anderen Ländern zu erfahren.

Aus dem Englischen übersetzt von Kevin Fritsche

Mehr über den Autor:

David Wischniewski

David Wischniewski

CEO und Gründer von https://renderthat.com und https://sharepa.com

Original: Starting and growing a company in Germany

Germany has enjoyed a long reputation for creating high quality, innovative products. Even the demarcation, “Made in Germany,” brings with it an expectation of excellence. Today though, the USA has become the leader in worldwide innovation, and even more specifically, „Designed in California.”

On the topic of founding a company, you might expect the process of founding and growing a company in Germany to be as well thought out by the government as are the products bearing the words, “Made in Germany.” Unfortunately, this is not the case.

In this regard, it’s as if the government is stuck in the 80’s. When starting a company, you must first consider the form in which you’d like your company to take i.e. Einzelunternehmen, e.K., GbR, OHG, KG, GmbH, UG (Haftungsbeschränkt) etc.

I decided to go with a GbR, which translates to, “Company constituted under civil law.” Founding as a GbR is fairly straightforward. It costs just few Euros, and takes only a few minutes. However, it also means that I, or the founding team, am personally responsible for all damages the company might cause to clients or to whomever we work with. This does not personally bother me, since I know that we are a trustworthy company, and our product is solid and unlikely to cause damage in the first place.

While the initial cost of founding a GbR might make it attractive to those starting without much funding who would prefer to spend it on development instead, you must consider that there are rather high taxes on such a company. I am not saying I do not want to pay taxes. I am happy to do so and help the city and country I live in to grow and develop. However, it might be smarter to hold off on having to pay them during the startup phase, and instead invest that money in growing the company to a certain size, hire your first employees, and only then start paying taxes once you’ve reached a more stable point.

Would this not be a huge return on investment for the government?

To paraphrase what Warren Buffett said in one of his books, I do not want to donate $100 now, but would prefer to take that $100, invest it and donate $200 or even $300 later. Because, if you would give the $100 to a charity, they could never make as much out of it as Warren Buffet could. Therefore, economically in the long run, it is wiser to hold for a moment, and donate later.

Now that we’ve grown, we’ve paid thousand of Euros in taxes (having passed up development opportunities due to tax obligations), and are now ready to change the form of our company. We’re making the switch to a GmbH & Co. KG (Similar to the US “Inc.”). This will reduce our personal risk, allow us to add investors more easily, and operate as a “grown up” company.

But the process of changing the form of your company is not as easy as it sounds.

First, you must make sure you have at least 25k Euro in the bank. This is a form of guarantee to the IHK (Chamber of Industry and Commerce), and your clients and partners that you have enough money in the bank to stay open for the foreseeable future. This is also a guarantee that you have enough cash on hand to fix any damages you may cause. But this, for me, is not the issue, I believe it’s a good policy which adds trust.

The issue is the legal process. We acquired angel/seed investors very early. Now, together with our lawyers and tax consultant, we had to find a way of including them legally in the “new” company.

This process took about 2-3 months, and we have damn good lawyers and tax consultants. It all comes down to the construct of how all parties are able to take part in a new company without making it too complicated under German law.

Fast forward, after spending even more thousands of Euros in taxes, and fees for lawyers, our tax consultant, and notaries, we are now a GmbH & Co. KG and can begin operating as such.

I’m convinced that there must be a simpler way to found startups. Other countries, such as the UK, may hold the solution in which the government encourages young, motivated people to form their own businesses which, in the long run, help the country to grow as well.

If someone from the German government is reading this, I would propose a solution of having two simple company forms for startups.

  1. For early stage companies. They do not have to pay taxes and can, instead, spend the money on developing the company. Founding takes only a few minutes, and may even be possible online.
  2. For more mature companies. They may start paying a reduced amount of taxes. Making the switch from Type1 to Type2 should take just a matter of minutes. After a certain company size or age is reached, typical tax rates and company forms would apply.

I may be seeing things a little dramatically, and I would be happy to hear other opinions on starting a company in Germany, or for that matter, other countries as well.