Wenn Arbeitgeber ihren Mitarbeitern „etwas Gutes tun“ wollten, mussten die Leistungen bisher als geldwerter Vorteil beim Finanzamt angegeben und versteuert werden. Doch seit 2009 bleiben Arbeitgeberleistungen zur Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes und der betrieblichen Gesundheitsförderung bis zu 500 EUR je Mitarbeiter/-in und Jahr steuer- und sozialversicherungsfrei. Arbeitgeber können ihren Arbeitnehmern adäquat Zuschüsse für Maßnahmen zur Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands sowie zur betrieblichen Gesundheitsförderung geben.

Ausfallzeiten verringern

Rückenleiden sind heute mit die häufigste Krankheitsursache. Wer den ganzen Tag am Computer sitzt, weiß davon ein Lied zu singen bzw. sein Leid zu klagen. Darüber hinaus führen Leistungsdruck, Zeitmangel, Stress und Bewegungsmangel zu orthopädischen Erkrankungen und zu internistischen und psychischen Reaktionen des Körpers. Viele Arbeitgeber versuchen deshalb seit Jahren, durch Gesundheitsförderung und Prävention etwas für ihre Mitarbeiter/-innen zu tun und so die Ausfallzeiten zu verringern. So bieten sie den Mitarbeitern beispielsweise die Möglichkeit, an Rückentrainingsprogrammen teilzunehmen und übernehmen dafür die Kosten. Die Finanzämter verlangten bisher, dass solche Maßnahmen des Arbeitgebers als geldwerter Vorteil zu versteuern waren. Doch der Bundesfinanzhof hatte entschieden, dass die Kostenübernahme des Arbeitgebers keine Entlohnung für die Beschäftigung darstellt, sondern aus überwiegend eigenbetrieblichem Interesse erfolgt. Denn die Trainingsmaßnahme dient dazu, Fehlzeiten infolge von Rückenleiden zu verringern und dadurch die Kosten und den Arbeitsablauf günstig zu gestalten. Die Gesundheit und die Arbeitsfähigkeit zu erhalten, liegt also im Interesse der Arbeitnehmer und der Unternehmen. Die Steuerbefreiung soll die Bereitschaft des Arbeitgebers deutlich erhöhen, seinen Arbeitnehmern Dienstleistungen zur Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes sowie zur betrieblichen Gesundheitsförderung anzubieten und entsprechende Barzuschüsse für die Durchführung derartiger Maßnahmen zuzuwenden.

Zur sachlichen Eingrenzung der Steuerbefreiung wird auf die Vorschriften des SGB V Bezug genommen. Die Leistungen müssen den im Leitfaden Prävention genannten Qualitätsanforderungen genügen. Der Leitfaden Prävention des GKV-Spitzenverbandes zur Umsetzung der §§ 20 und 20a SGB V, in der Fassung vom 10. Dezember 2014, weist in Kapitel 7.2 auch nochmal auf die Fördermöglichkeiten der Arbeitgeberleistungen zu Prävention und Gesundheitsförderung gemäß § 3 Nr. 34 EStG hin.

Von der Steuerbefreiung begünstigt sind auch Zuschüsse des Arbeitgebers an die Mitarbeiter/-innen, die diese für extern durchgeführte Maßnahmen aufwenden. Wenn sich also Unternehmer externe Unterstützung heranholen, um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter/-innen zu fördern, werden auch diese entsprechenden Maßnahmen von der Steuer befreit. Beispiele hierfür sind u. a. Bewegungs- oder Ernährungsangebote und Schulungs- bzw. Coachingmaßnahmen. Im Folgenden sind die begünstigten Maßnahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung nochmal hervorgehoben:

(1) Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes (Primärprävention):

  • Bewegungsgewohnheiten (Reduzierung von Bewegungsmangel, Vorbeugung und Reduzierung spezieller gesundheitlicher Risiken durch verhaltens- und gesundheitsorientierte Bewegungsprogramme),
  • Ernährung (Vermeidung von Mangel- und Fehlernährung, Vermeidung und Reduktion von Übergewicht),
  • Stressbewältigung und Entspannung (Förderung individueller Kompetenzen der Belastungsverarbeitung zur Vermeidung stressbedingter Gesundheitsrisiken),
  • Suchtmittelkonsum (Förderung des Nichtrauchens, gesundheitsgerechter Umgang mit Alkohol, Reduzierung des Alkoholkonsums).

(2) Betriebliche Gesundheitsförderung:

  • arbeitsbedingte körperliche Belastungen (Vorbeugung und Reduzierung arbeitsbedingter Belastungen des Bewegungsapparates),
  • gesundheitsgerechte betriebliche Gemeinschaftsverpflegung (Ausrichtung der Betriebsverpflegungsangebote an Ernährungsrichtlinien und Bedürfnisse der Beschäftigten, Schulung des Küchenpersonals, Informations- und Motivierungskampagnen),
  • psychosoziale Belastung, Stress (Förderung individueller Kompetenzen der Stressbewältigung am Arbeitsplatz, gesundheitsgerechte Mitarbeiterführung),
  • Suchtmittelkonsum (rauchfrei im Betrieb, Nüchternheit am Arbeitsplatz).

 

Synergieeffekte

Der GKV-Spitzenverband hält eine Verzahnung krankenkassen- und arbeitgebergeförderten Leistungen in der Primärprävention und betrieblichen Gesundheitsförderung auf Grundlage von §§ 20 und 20a SGB V einerseits und § 3 Nr. 34 EStG andererseits zur Erzielung von Synergieeffekten und höherer Nachhaltigkeit für sinnvoll. Doppelförderungen gleicher oder gleichartiger Maßnahmen und unabgestimmte Vorgehensweisen von Krankenkassen und Arbeitgebern sollten jedoch vermieden werden. Hierzu müssen vom Anbieter ausgestellte Teilnahmebescheinigungen deutlich machen, dass sie ausschließlich zum Einreichen beim Arbeitsgeber und nicht zum Antrag auf Bezuschussung bei der Krankenkasse genutzt werden dürfen. Die Teilnehmer sollen befähigt und motiviert werden, nach Abschluss der Maßnahme das erworbene Wissen bzw. die erworbenen Fertigkeiten/Übungen selbstständig anzuwenden und fortzuführen sowie in ihren (beruflichen) Alltag zu integrieren. Auch Maßnahmen ohne zeitliche Befristung können unter die Steuerbefreiung fallen.

Dringlichkeit eines Umdenkprozesses

Der vom Robert Koch Institut (RKI) am 3.12.2015 veröffentlichte Bericht „Gesundheit in Deutschland“ gibt einen fundierten Überblick über den Stand und die Entwicklung der Gesundheit der Menschen in Deutschland und untermauert die Dringlichkeit eines Umdenkprozesses auch in der Betrieblichen Gesundheitsförderung. Darin wurde festgestellt, dass die Zahl der Fehltage und Frühberentungen aufgrund psychischer Störungen in den letzten 20 Jahren deutlich zugenommen hat. Als Gründe werden Veränderungen in der Arbeitswelt, vor allem aber auch die Enttabuisierung psychischer Krankheitsbilder und die damit verbundene verbesserte Diagnostik diskutiert. In der Arbeitswelt hat sich die gesundheitliche Lage in den letzten Jahrzehnten zwar insgesamt verbessert: Krankheitsbedingte Fehlzeiten und tödliche Unfälle sind bei Erwerbstätigen zurückgegangen, Fehlzeiten durch psychische Erkrankungen haben in den letzten Jahren jedoch erheblich zugenommen und zeigen deutlich, den psychosomatischen Zusammenhang und deren Wirkungsweise auf. Arbeitsbedingter Dauerstress und Überforderung führen – so belegen es die Zahlen seit Jahren- zu schwerwiegenden chronischen Erkrankungen des Muskel-Skelettsystems und der Psyche.

Körperliche und psychosoziale Arbeitsbelastung

Nach wie vor gibt es in der Gesundheit der Beschäftigten große soziale Unterschiede. Die Zahl der Krankheitstage etwa ist bei Beschäftigten mit niedrigem beruflichem Status deutlich erhöht, was auf die Unterschiede in den körperlichen und psychosozialen Arbeitsbelastungen zurückgeführt wird. Arbeitslose sind beinahe doppelt so häufig krankgemeldet wie Erwerbstätige. Studien deuten auch darauf hin, dass Menschen mit Arbeitslosigkeitserfahrung häufiger verhaltensbezogene Gesundheitsrisiken aufweisen und seltener an Präventionsmaßnahmen teilnehmen. Umso mehr ein weiterer Beleg für die Sensibilität und Komplexität unserer konstitutionellen psychosomatischen Verfassung und ein deutlicher Weckruf zu mehr sozialem Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Die innere Zufriedenheit, Selbstbestimmtheit und Selbstverwirklichung scheinen uns Allen viel zu oft außer Acht geraten zu sein. Im Arbeitsumfeld wird der größte Teil der Bevölkerung von solchen Maßnahmen noch erreicht.

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Mathias Willhelm - bewegungbegeistert

Mathias Willhelm – bewegungbegeistert.de

Mathias Wilhelm ist studierter Gesundheitstherapeut und Sportwissenschaftler. Er bietet Kurse für Prävention, Fitness, Entspannung und Rehabilitation an. Mehr über ihn und seine Kurse erfahren Sie hier: https://bewegungbegeistert.de