Ein Exkurs:

Im Rahmen eines Projektes an der Universität, galt es eine Literaturrecherche zum Thema „Shareconomy: Wirtschaft des Teilens, Tauschens und Kokonsumierens“ anzufertigen. Ein spannendes Thema, dass bereits seit einiger Zeit in den Medien präsent ist und diskutiert wird. Die Herausforderung hierbei war es allerdings, den Kontext wissenschaftlich zu erfassen. Und so durchforstet ich einige Datenbanken, Magazine, Bücher und wissenschaftliche Abhandlungen, um das Thema entsprechend zu beleuchten. Für alle, die sich für die verschiedenen Facetten der Shareconomy interessieren, sei nun diese Zusammenfassung.

„Shareconomy“ ist eine, ursprünglich vom Harvard Professor Martin Lawrence Weitzman (1984) in seinem Buch „Share Ecomomy – Conquering Stagflation” beschriebene Wirtschaftstheorie. Um Arbeitslosigkeit, Inflation und Stagflation entgegenzutreten, setzt er auf eine grundlegende Veränderung des Systems der Arbeitnehmerentlohnung: eine Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer. Heutzutage ist „Shareconomy“ ein breit gefächerter Begriff, dem jedoch eines gemein ist: das gemeinsame Benutzen, Teilen und Tauschen. Ob bewusst oder unbewusst ist das kollaborative Konsumieren Teil unseres Alltags geworden.

Jeremy Rifkin (2000) beschreibt in dem Buch „Access“ den Verlust der Bedeutung des Eigentums. Für ökonomische Prozesse wird das Eigentum an Sachkapital immer irrelevanter und es gilt eher als Belastung für Unternehmen. Etwas nutzen zu können, ist nach dem Share Economy Gedanken viel bedeutender, als es zu besitzen. Nach Rifkin gelten Dienstleistungen nicht als Eigentum, da sie immateriell sind und nicht wie Produkte hergestellt und gekauft werden. Dennoch ist Eigentum eine Voraussetzung der Share Economy, da man, um tauschen und teilen zu können, auch etwas anbieten muss. Eine bedeutende Rolle übernimmt hier das Internet. Netzwerke und Plattformen ermöglichen die gemeinsame Nutzung von Fahrzeugen, Wohnungen, Werkzeugen, Kleidung und vielem mehr. Wichtig ist, dass dadurch nicht unbedingt weniger konsumiert wird. Der Verbraucher kann sogar auf viel mehr zugreifen.

Russell Belk (2010) zeigt in „Sharing“, dass Teilen ein grundlegendes und vielleicht ältestes Verhalten von Konsumenten darstellt und längst über die eigenen vier Wände hinausgeht. Täglich werden Gedanken, Informationen und Bilder im Internet geteilt und verbreitet. Die virtuelle Welt stellt die Basis der geteilten Informationen dar. Seiten wie Wikipedia zeigen die Unterschiede zu herkömmlichen Enzyklopädien, zwischen frei geteilten und geschützten Informationen. Durch neue Perspektiven wurde ein neues Zeitalter des Teilens erreicht, welches von Millionen Nutzern angenommen wird. Der Austausch reißt zwischenmenschlichen Grenzen auf und löst sich vom Besitz und Materialismus. File-Sharing und Urheberrechtsverstöße gegen geistiges Eigentum bilden jedoch einige Grenzen des kollaborativen Konsumierens.

Felix Oberholzer‐Gee und Koleman Strumpf (2010) legen dar, dass der Einzug des File-Sharing den Urheberrechtsschutz zwar beträchtlich schwächte, aber die Popularität der neuen Technologie die Autoren keineswegs in ihrer Motivation zum Schaffen neuer Werke beeinflusst. Sie argumentieren anhand von 3 Thesen, dass der Effekt des File-Sharing zu vernachlässigen ist. Ihre empirische Arbeit legt nahe, dass Musikverkäufe nicht mehr als 20% zurückgegangen sind. Ferner erhöht File-Sharing die Nachfrage nach Ergänzungen zu den geschützten Werken. Als Beispiel hierzu nennen Sie den Zuwachs bei der Nachfrage nach Konzerten. Außerdem wird belegt, dass monetäre Anreize in der Kreativwirtschaft eine geringe Rolle spielen. Seit dem Aufkommen von File-Sharing hat die Produktion von Musik, Büchern und Filmen stark zugenommen.

Dass kollaboratives Konsumieren nicht mehr nur graue Theorie ist und immer beliebter wird, zeigen auch Fleura Bardhi und Giana M. Eckhardt (2012) indem sie die Art des Zugangs, also die Unterschiede zwischen Eigentum und gemeinsamer Nutzung, am Beispiel von Carsharing, untersuchen. Dabei gehen sie auf die Beziehungen zwischen den Kunden und dem Produkt, zwischen den Kunden untereinander sowie zwischen den Kunden und dem Unternehmen ein. Die Untersuchung findet am Beispiel des Carsharing-Anbieters Zipcar statt. Es werden Probleme wie Mangel an Identifikation mit dem Produkt oder Unterschiede in der Verwendung und bei dem Wertverständnis aufgedeckt. Schließlich werden die Ergebnisse für das Verständnis von Austausch und Konsum in der Markengemeinschaft diskutiert.

Dass der Share Economy Gedanke auch bei der Unternehmensgründung durchaus von Nutzen sein kann und was Unternehmen von diesem innovativen Wirtschaftsmodell lernen können, zeigt Geoff Anderson (2013). Die Gründung eines neuen Projektes kann sehr entmutigend sein, weil man in der Technik-Szene der Konkurrenz immer einen Schritt voraus sein muss. Die Sicherheitsfirma PixelPin hat ihren Schwerpunkt auf die Verwendung von kollaborativen Techniken gelegt und 2013 ein enormes Wachstum verzeichnet. Bestandteile des Businessplans sind Business-Mentoring, Peer-to-Peer-Austausch von Produkten und Dienstleistungen, technologische Innovationen und Computersicherheitsauthentifizierung.

Philipp Kanter, Industriekaufmann und BWL Student

Literaturverzeichnis:

Martin L. Weitzman (1987) „Das Beteiligungsmodell (The Share Economy) – Vollbeschäftigung durch flexible Löhne“, S.11f.

Jeremy Rifkin (2000) „Access – Das Verschwinden des Eigentums: Warum wir weniger besitzen und mehr ausgeben werden“.

Russell Belk (February 2010) „Sharing“, Journal of Consumer Research (Vol. 36, No. 5, pp. 715-734).

Felix Oberholzer‐Gee and Koleman Strumpf (2010), „File Sharing and Copyright“, Innovation Policy and the Economy (Vol. 10, No. 1, pp. 19-55).

Fleura Bardhi and Giana M. Eckhardt (December 2012), „Access-Based Consumption: The Case of Car Sharing“, Journal of Consumer Research (Vol. 39, No. 4, pp. 881-898).

Geoff Anderson (April 2013), „Collaborative consumption“, Financial Management (Vol. 42 Issue 3, p13-13).