Natürlich ist es nicht möglich, das Feld des Entrepreneurial Marketing in nur einem Blog-Artikel darzustellen. Einen Einstieg und Anfang zu gestalten hingegen schon. Ich nenne es das »Marketing der ersten Stunde«. Andere möchten mir da sicher widersprechen, da es auch als Wachstumsmarketing verstanden wird. Und Wachstum ist nicht zwingend an den Zeitpunkt des Einsatzes oder die Unternehmensgröße gebunden. Ich werde im Folgenden auf den Zeitpunkt der Gründung schauen und mich aufgrund der Online-Marketing-Ausrichtung von Triebfeder Marketing tendenziell stärker auf das Online-Marketing fokussieren.

Schon einige Male stand ich an genau diesem Punkt: »Kevin, ich/wir habe(n) gegründet. Was nun? Was zuerst?« – Im Titel behaupte ich, dass das Chaos die Ordnung braucht und umgekehrt. Und genau da liegt meiner Meinung der Schwerpunkt des »Marketings der ersten Stunde«: In der Identifizierung von Maßnahmen, die wirklich notwendig sind. Das Chaos, das sind all die Ideen, Konzepte, Meinungen, Ansätze, Pläne und Wünsche zu Beginn. Ordnung bringt die Entscheidung, was das Unternehmen zu diesem sehr speziellen Zeitpunkt braucht. 

Die Top 5 Faktoren des Erfolgs gesammelt von über 200 Unternehmen

Die Top 5 Faktoren des Erfolgs gesammelt von über 200 Unternehmen – Bill Gross

Ein Sidestep in die Orthografie

Bei dem Verb brauchen (brau|chen) handelt es sich um ein schwaches Verb. Und, wenn es nicht negiert und mit zu auftritt, auch um ein Vollverb. Was bedeutet, dass es im Unterschied zu Modalverben, Hilfsverben und Kopulaverben in seiner finiten Form alleine den Prädikatsausdruck bilden kann. Und erst das Prädikat mit seinen offenen Stellen macht den Satz in der Valenzgrammatik zu einem Satz. Die Schlüsselfrage lautet valenzgrammatisch also: »Wer braucht was?« Brauchen öffnet zwei Stellen. Und diese, gilt es zu füllen. Subjekt und Objekt. Was ist nun das Prädikat des Unternehmens?

BEDEUTUNGSÜBERSICHT

  • nötig haben, [für sich] benötigen
    • (zur Erledigung von etwas eine bestimmte Zeit) benötigen, aufwenden müssen
    • bedürfen
  • gebrauchen, verwenden, benutzen
  • (in bestimmter Menge) verbrauchen, aufbrauche
  • müssen

Quelle: http://www.duden.de/rechtschreibung/brauchen

»Wer braucht was?« – Das Prädikat im Entrepreneurial Marketing

Was zu Beginn einer Unternehmung (zum Zeitpunkt der Gründung) tatsächlich gebraucht wird, ist für mich pauschal nicht zu beantworten. Zu groß ist die Bandbreite an essentiellem und verzichtbarem. Businessplan, Marketingplan, Vertriebs-Strategien und so fort. Handwerker, Fotograf oder Online-Plattform. Kreditfinanziert, jahrelang gesparrt oder Wagniskapitalgeber. Freiberufler, Kanzlei oder Agentur. Physisches Produkt, Kreativität oder cyber-physisches Konzept. Lokal, regional oder international. Heute, morgen, vielleicht nie.

Vielmehr stellt sich für mich die Frage nach den Kompetenzen der beteiligten Protagonisten. Nach der Fähigkeit, die Essenz des Möglichen, also des Nötigen, des Gebrauchten zu identifizieren, um Ressourcen zu schonen und Flexibilität zu sichern. Die Frage nach einer Website stellt sich beispielsweise meistens nicht. Die Frage nach dem Programmieraufwand und -umfang, zum Startzeitpunkt jedoch sehr. Die Frage nach der Manpower stellt sich ebenso wenig. Die Frage nach der Teamstärke je Abteilung allerdings schon. Print-Kampagnen oder AdWords-Kampagnen? SEO um jeden Preis oder organisches Storytelling? Büro, Store oder Online-Shop? Diese und andere Detailfragen im Interesse eines schlanken Unternehmenskörpers zu beantworten, ist meiner Meinung nach die hohe Kunst, das Primat des »Marketings der ersten Stunde«. Denn es gilt, Prozesse lean zu gestalten und täglich radikale Entscheidungen zu treffen. Aber im Gegensatz zu Wettbewerbern, die einen Vorsprung am Markt haben, fehlt es zu meist an finanziellen Rücklagen und Erfahrungswerten. Aber das ist gut. Es befreit. Und fokussiert.

Im Fokus; Ordnung braucht das Chaos

Das »Marketing der ersten Stunde« ist meines Erachtens nach herkömmliches Marketing mit anderen Mitteln. Und genauer: Mit keinen oder kleinen Mitteln. Der oder die Unternehmer sehen sich einer ganzen Reihe von Challenges und Unsicherheiten gegenüber. Der Fokus auf die Marktforschung, Produktentwicklung und -weiterentwicklung, Kunden-Identifikation und Kunden-Kommunikation ist auch bei jungen Unternehmen unerlässlich, aber im herkömmlichen Umfang, außer man ist Zalando, nicht realisierbar. Die zentrale Herausforderung ist es also, aus dem Marketing-Mix Price, Product, Place und Promotion, möglichst geschickt, die ideale Zusammensetzung zu gestalten, die aus vermeintlichen Schwächen Stärken formt und lauernde, tückische Gefahren in Chancen verwandelt.

Die Bedeutung von Timing

Die Bedeutung von Timing – Bill Gross

Für all diejenigen, die mit Daniel Kahnemann groß geworden sind, ist natürlich klar, dass selbst die allerbeste Vorbereitung, Teamzusammensetzung und Kapitalstruktur keinen Erfolg garantiert. Zu viel ist vom Glück und vom Timing abhängig. Und Glück ist, wie im Beispiel von Z.com, dem Vorgänger von YouTube.com determiniert durch den Faktor Timing. Wenn die Idee einer Online-Video-Plattform zwei Jahre (1999/2000) zu früh für den Markt kommt, dann ist sie zu früh und bleibt zu früh. Das ist Pech, aber es passiert. Trotz perfektem Businessplan und zahlreichen Investoren. Und deshalb will ich ermuntern, mutig zu sein. Mutig zu bleiben. Denn Entscheidungen können sich sogar nach yotta-maligem Abwägen als total falsch herausstellen. Darum zum Abschluss meines Einstiegs in diese Thematik meine 5 Empfehlungen für den Start:

  1. Fang an!
  2. Identifiziere Multiplikatoren!
  3. Partnere!
  4. Bleib schlank!
  5. Und fang an!

Wer Bill Gross, einen der Initiatoren von Z.com und seinen verbalisierten Erfahrungen joinen möchte, dem empfehle ich herzlichst seinen Vortrag bei TED.com:

Bill Gross - The single biggest reason why startups succeed

Bill Gross – The single biggest reason why startups succeed